Lieder aus dem Kinder- und Jugendheim ganz vorne

„Oft sitze ich im Zimmer rum und find mein Leben richtig dumm.“ Song von Enrico (13), Daniel (11) und Niklas (12) vom Kinder- und Jugendheim Linzgau in Überlingen-Deisendorf. Bilder: as

 

Fette Welle“ heißt die neue Internetplattform von und für Jugendliche. Sie ist ein Kind des Kinder- und Jugendheimes Linzgau in Überlingen-Deisendorf. Die Idee dazu ist in der im Stadtteil Deisendorf beheimateten Jugendhilfeeinrichtung von Medienpädagoge Alexander Friedrichs gekommen.

Im „Linzgau“ hat man nach Wegen gesucht, wie man den Jugendlichen des Heimes auch soziale Orientierungsräume nach außen erschließen könnte und verhieß sich über die Elemente Musik und Internet einen Ansatzpunkt, um Jugendliche mit einander zu vernetzen. So ist die „Fette Welle“ geboren.

Unter Anleitung von Medienpädagoge Friedrichs versuchten sich Jugendliche des Kinder- und Jugendheimes zunächst als Radiomacher für den Hausgebrauch, produzierten Reportagen, kleine Hörspiele und eigene Songs. Im April dieses Jahr konnte ein hauseigenes Studio eingeweiht werden, bereits mit Blick darauf, sich mit anderen Jugendhilfeeinrichtungen zu vernetzen und die „Fette Welle“ als gemeinsame Internetplattform aus der Taufe zu heben. In diversen Workshops mit den kooperierenden Einrichtungen haben die Jugendlichen dann gelernt, die für das Radiomachen einschlägigen Programme zu bedienen, Songs zu texten und sie zu vertonen.

Mit Live-Kostproben verdienten sich einige Jugendliche bei der Eröffnung von „Fette Welle“ allen Respekt. „Unter dem Mond ist es dunkel und kalt, das Leben ist halt bitter“, beginnt der Song, den zwei Mädchen vom Salemer „Treff Grenzenlos“ geschrieben haben. „Immer schlimmer“ ist ein Text von Enrico (13), Daniel (11) und Niklas (12) vom „Linzgau“ getitelt. Darin heißt es: „Oft sitze ich im Zimmer rum und find mein Leben richtig dumm. Dann denke ich bei mir, wird Zeit, dass was passiert. So kann es nicht mehr weitergehen, das muss ich mir eingestehen.“ Das Linzgau-Kinder- und Jugendheim hat sich übrigens vergangenen Sommer an einem Wettbewerb mit einem von den Jugendlichen verfassten Song über Liebe und Anerkennung an einem Wettbewerb der Peter-Maffey-Stiftung beteiligt und prompt unter rund 200 Einsendern einen dritten Preis und damit die Einladung zu einer Fernsehproduktion mit Peter Maffey im kommenden Frühjahr in München erhalten.

Die Leiterin des Kinder- und Jugendheims Linzgau, Evi Pfeiffer, hofft genauso wie Alexander Friedrichs, dass möglichst viele Jugendliche aus dem Bodenseekreis über Radio „Fette Welle“ zueinander finden. „Mailt uns, wir freuen uns über jeden, der mitmacht“, sagte der Medienpädagoge, nachdem der tosende Beifall bei der Eröffnung von „Fette Welle“ verklungen war. (as) zum Onlineartikel