Die "Fette Welle" geht bald auf Sendung

Seit zwei Jahren schon versuchen sich Jugendliche des Kinder- und Jugendheims Linzgau im Überlinger Stadtteil Deisendorf unter Betreuung des Medienpädagogen Alexander Friedrichs beeindruckend erfolgreich als Radiomacher. Bislang nur für den Hausgebrauch. Nachdem nun ein fast professionelles Studio eingerichtet wurde, wird Radio Linzgau unter dem Namen "Fette Welle" bald per Internet auf Sendung gehen.

Zur Einweihung des Studios waren auch Vertreter von Einrichtungen der offenen Jugendarbeit im Bodenseekreis eingeladen. Über die "Fette Welle" soll nämlich, sobald sie im Sommer online geht, im Bodenseekreis eine Plattform von Jugendlichen für Jugendliche geschaffen werden, über die sich die verschiedenen Jugendhilfeeinrichtungen vernetzen können und sollten. Das ist die Vision von Evi Pfeiffer, der Leiterin des "Linzgau". Denn Jugendliche hätten ihre eigene Kultur, ihre eigene Musik und einen intensiven Umgang mit modernen Medien, die sie über die Schiene des Bodenseeradioportals untereinander pflegen könnten.

Bei der Entwicklung des Radioprojekts hat das "Linzgau" technische und fachliche Unterstützung durch das Meersburger IT-Unternehmen "Konzept" sowie durch den Medienpädagogen Uwe Kaiser vom Paritätischen Wohlfahrtsverband bekommen. Begonnen hat die Sache vor zwei Jahren. Damals brachte eine Medienpädagogin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes einer Gruppe von Schülern der Janusz-Korczak-Schule, die zum Kinder- und Jugendheim Linzgau gehört, die ersten Kniffe des Radiomachens bei. "Das ist von Anfang an bei unseren Jugendlichen gut angekommen", weiß Alexander Friedrichs, der Medienpädagoge des "Linzgau", der mit ebensolcher Leidenschaft bei der Sache ist wie seine mittlerweile auf rund 20 Jugendliche angewachsene Projektgruppe.

Wenn er von den positiven pädagogischen Effekten erzählt, ist er hellauf davon begeistert, was das Radiomachen in der Entwicklung der Jugendlichen im "Linzgau", die irgendwie doch zum benachteiligten Kreis zählen, so alles bewirkt. Er erzählt von einem Schüler, der es absolut nicht schaffte, sich für eine Beleidigung bei einem seiner Klassenkameraden zu entschuldigen. Schließlich hat er sich durchgerungen, dies über Radio "Linzgau" mit einem selbstverfassten Rap zu tun. "Das tut mir Leid" hat er sogar mit der Lieblingsmelodie seines Kontrahenten unterlegt. Oft sei zu beobachten, wie die Jugendlichen über das elektronische Medium eigene Blockaden überwinden, hebt Friedrichs einen ganz wichtigen pädagogischen Aspekt hervor. "Es ist unglaublich, welche phantastischen Texte die Jugendlichen für ihre Raps verfassen."

Genauso einfallsreich gehen sie zu Werke, wenn sie kleine Zeichentrickfilme produzieren oder einen eigenen Beat kreieren. Der 13-jährige Keanu führt mit spielerischer Leichtigkeit vor, wie man sich dabei eines Computer-Programms bedient, das gerade mal zehn Euro kostet, aber jede Menge effektvoller Finessen bietet. Auch Interviews haben die Jugendlichen schon öfter in ihre Haussendungen eingebaut. Zum Beispiel ein Gespräch mit der Moderedakteurin der Jugendzeitschrift "Bravo" oder mit der Polizei über Jugendvandalismus und Jugenddiebstahl. "Die Jugendlichen erleben dabei ein ganz neues Selbstwertgefühl", weiß Alexander Friedrichs. Er hofft nun, dass die "Fette Welle" reges Interesse bei anderen Jugendhilfeeinrichtungen finden wird. (as) zum Onlineartikel